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Freundschaften wechseln. Geschwister bleiben für immer

…sagt ein Sprichwort. Es drückt damit aus, dass Geschwister wie durch ein unsichtbares Band der gemeinsamen Kindheit und der Erfahrungen des gemeinsamen “Nests” für immer verbunden bleiben. Die Art der Geschwisterbeziehung, die Stellung in der Geschwisterreihe prägt unser späteres Sozialverhalten und sogar oft die Partnerwahl.

So weiß man, dass Erstgeborene später meist leistungsorientiert sind – sie waren dem größten Erwartungsdruck der Eltern ausgesetzt, und sie mussten oft den Eltern helfen, die Jüngeren aufzuziehen. Auf diese Weise bekamen sie auch die meiste Anerkennung durch die Eltern. Daher, sagt man, sind Erstgeborene im Beruf und in der Partnerschaft verlässlich und oft bereit, Verantwortung für eine Gruppe oder größere Sache zu übernehmen. Auf meinen Bruder trifft das definitiv zu. Ich schaue heute noch bewundernd auf zu ihm.

Von den Jüngsten, den “Nesthäkchen” sagt man, dass sie eben nicht von klein auf den Lebenskampf aufnehmen mussten, und sie den auch im Erwachsenenalter eher scheuen. Sie seien daher auch kompromissbereiter als andere und würden sich eher dominieren lassen, als zu kämpfen. Die Mittleren, die “Sandwichkinder” rutschen – bildlich gesprochen – leicht durch, und entkommen so dem strengen Auge der Eltern. Dadurch werden sie früher selbstständig und lernen, eigene Interessen notfalls auch durchzuboxen. Man sagt, sie seien später auch als gute Vermittler, als Brückenbauer und Streitschlichter geeignet.

Ich selbst bin eine Zweitgeborene und Älteste der Mädchen – aus vier Geschwistern, zwei Schwestern und zwei Brüdern. Ich erinnere mich sehr gut, dass auch ich, kaum, dass das dritte Kind – ein Mädchen – geboren war, schon die “Vernünftigere” sein sollte. Gerade bei Streitigkeiten, wo es darum ging, dass ich mein vermeintliches Recht durchsetzen wollte, fand ich diesen Appell besonders ungerecht und schmerzlich.

Meine Schwestern sind und waren für mich auch meine besten Freundinnen, und wir Geschwister waren im Grunde ein gutes Team. Das heißt nicht, dass wir einander keine Leiden zugefügt haben – oh nein! – aber es gab immer einen guten Grund, sich schnell zu versöhnen. Schließlich waren wir ja in einer Art Zwangs-WG, in der man den anderen Mitbewohnern nicht entkommt 😉

“Kindlein, liebt einander”, habe ich heute noch im Ohr, wenn wir einander verpetzt haben oder einfach Hilfe gebraucht hätten beim Streitschlichten.

Damals galt es noch als richtig, dass sich Eltern möglichst nicht in Konflikte der Kinder einmischen sollten. Diese würden das schon unter sich regeln. Dass dabei manches auf der Strecke bleibt, und wie man das vermeiden könnte, davon möchte ich im nächsten Blog erzählen.

Verfasst von Maria aus Meidling, 65, pensionierte Heilpädagogin, verheiratet, Mutter einer Tochter und Großmutter von 2 Enkeltöchtern

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Elisabeth Stiftung

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