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November-Blues

Jetzt ist es wieder soweit – der 2. Lockdown ist in Kraft getreten. Er schränkt diesmal besonders die Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung mit anderen Menschen ein. Ich denke mit Sorge an meine Freundin. Sie ist seit der Scheidung vor 20 Jahren Single. Im Grunde fühlt sie sich nicht unglücklich dabei. Sie hat sich ihr Leben so eingerichtet, dass sie sich nie einsam fühlt. Doch jetzt wird ihr Tagesablauf wieder erschüttert. Dreimal die Woche geht sie mit einer guten Bekannten ins Fitness-Center. Danach kehren sie in ein Kaffeehaus ein und haben dort ein Plauderstündchen. Den Sonntag verbringt meine Freundin bei ihrer alten Mutter. Ab und zu trifft sie sich mit ihrer Tochter, die in einer anderen Stadt wohnt.

Ihr Kultur-Abo hilft ihr zur Zeit auch nichts. Alle Veranstaltungen sind abgesagt. Wie ich sie kenne, wird sie sich mit Nordic Walken, Lesen, Shoppen und Fernsehen über die Runden bringen.

Ich habe vor, sie öfter als sonst anzurufen. Andere befürchten vermutlich, dass ihnen die Familienmitglieder nun zu sehr auf die Pelle rücken werden.

Zur Erklärung: wenn mir jemand auf die Pelle rückt, kommt er mir so nah, dass es mir unangenehm ist. Ich weiß, wovon ich spreche, da ich als Pensionistin mit einem Pensionisten verheiratet bin ;-). Zuviel Nähe kann uns nämlich auch überfordern. Wer ein Kind bzw. Kinder hat, kennt das Glücksgefühl, wenn – bei aller Liebe – der Nachwuchs endlich schläft.

Ich habe mir jedenfalls für die nächste Zeit einiges vorgenommen:

* viel weniger Nachrichten schauen

* jeden Tag – und besonders wenn die Sonne herauskommt – unbedingt hinausgehen; der nahe Park hat einen Spazierweg und einge Bänke zum Verweilen und eventuell zum Lesen

* Gesundes kochen und auch neue Rezepte ausprobieren

* den Abstellraum aufräumen

* meinem Mann vorlesen – und noch lieber – mir von ihm vorlesen lassen

* mich auf Weihnachten vorbereiten

* hoffen und beten

* eventuell wieder malen

* oder neue schlummernde Talente entdecken …

Vielleicht wird sogar aus dem Blues ein Tango oder Cha-Cha-Cha.

Verfasst von Maria aus Meidling, 65, pensionierte Heilpädagogin, verheiratet, Mutter einer Tochter und Großmutter von 2 Enkeltöchtern

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Elisabeth Stiftung

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