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Spiel mit mir!

Diese Aufforderung kommt mit großer Wahrscheinlichkeit, wenn ein Enkelkind oder beide Kinder den Nachmittag bei mir verbringen. Manchmal fällt es mir schwer, auf diese Bitte einzugehen. Besonders dann, wenn ich glaube, dass ich Wichtigeres zu tun habe. Doch die Reue darüber, diese kindliche Bitte abgeschlagen zu haben, kommt sofort. Denn ich komme erst nicht zum Arbeiten – und schon gar nicht entspannt – weil die Kinder ihre Enttäuschung lautstark oder sogar weinend kundtun. So habe ich bemerkt, dass es klüger ist, wenn ich bereitwillig ins Spiel einsteige. Außerdem zeigt sich, dass nach einer Weile die Kinder meist ganz allein weiterspielen. Sie haben nur meine ungeteilte Aufmerksamkeit gebraucht und vermutlich auch meinen Liebesbeweis. Dann kann ich mich vorsichtig zurückziehen, und ich habe im besten Fall eine halbe Stunde zum Kochen oder für mich zum Ausruhen oder SMS beantworten. Es genügt dann, wenn ich in der Nähe bin, im gleichen Raum oder mit offener Tür zur Küche.

Letztens kamen die Spielsachen mit in die Küche. So hat die Ältere kurzerhand ihre “Ordination” in die Küche verlegt. Als ersten Patienten hab ich ihr den Teddybären angeboten. Zwischendurch wurde mir eine Impfung verabreicht. Damit war die “Frau Doktor” zufrieden.

Wenn ich mit meinen Enkelkindern spiele, fliegen mit ihre Herzen zu. Die Zwischendurch-Umarmungen, aber auch die Begeisterung und die strahlenden Kinderaugen während des Spiels sagen mir, dass es gut ist, mir die Zeit zum Spielen zu nehmen. Außerdem sind die Kinder dann eher bereit, meinen Anweisungen, zum Beispiel zum Spielsachen Wegräumen, zu folgen.

Schließlich fühle ich mich jünger und lebendiger nach so einem erfüllten Spielnachmittag. Das Kind in mir hatte offenbar auch Freude.

Verfasst von Maria aus Meidling, 65, pensionierte Heilpädagogin, verheiratet, Mutter einer Tochter und Großmutter von 2 Enkeltöchtern

 

 

Elisabeth Stiftung

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