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Trösten, wenn es schmerzt

“Ist ja nichts passiert”, kann man hin und wieder einen Erwachsenen sagen hören, wenn ein Kind weint, weil es sich den Kopf angeschlagen hat oder hingefallen ist. Vielleicht gibt es keine Beule oder andernfalls keine Abschürfungen.  Und trotzdem ist etwas passiert, und es tut dem Kind weh. Eine Abschwächung oder Beschwichtigung ist hier eher kränkend als hilfreich.

Doch früher war diese Art der Trostspendung durchaus üblich. Die Buben bekamen sogar zu hören: “Ein Indianer kennt keinen Schmerz!”

Eine andere gängige Praxis ist, das weinende Kind abzulenken – mit einem Spielzeug, einem Weckerl oder einer Süßigkeit, einem Getränk, sogar mit einem Handy. Der Schmerz des geliebten Kindes und sein Weinen können uns verunsichern und stressen. Wir fühlen uns veranlasst, eine rasche Lösung herbeizuführen und das Weinen vorzeitig zu stoppen.

Die Ablenkungs-Methode scheint hier sehr erfolgreich. Ich selbst hab sie auch angewandt, bis mir meine Tochter eine andere Sicht beigebracht hat: In beiden Fällen – Kleinreden und Ablenken – wird das Kind in seinem augenblicklichen Kummer nicht ernst genommen.  Es erlebt, dass sein Gefühl nicht stimmt oder nicht wichtig ist. Die Folgen können schwerwiegend sein.

Kinder fühlen sich verstanden, wenn wir das Geschehene und ihre Gefühle in Worte fassen. “Du bist mit dem Roller hergefallen, ich hab´s gesehen…wo genau tut es weh?… ja – das brennt scheußlich…es tut mir leid, mein Schatz…” So etwa helfen wir ihnen, sich auszudrücken und mit dem Schmerz umzugehen.

Ich erinnere mich, dass meine Oma mich in ihr Bett schlüpfen hat lassen und mir zum Trost in meinem Liebeskummer “Heile, heile Gänschen” gesungen hat. Mein Papa hat mich oft am Rücken auf- und abgestreichelt, wenn ich traurig war. Zärtliches Trösten ohne Worte, Heile-Sprüche und -Lieder können also auch hilfreich sein.

In jedem Fall wirkt es heilsam, wenn wir Erwachsene den (kindlichen) Kummer samt Weinen erst einmal aushalten, ohne eine Lösung anzubieten, und gleichzeitig mitfühlend für das leidende Wesen da sind.

Verfasst von Maria aus Meidling, 65, pensionierte Heilpädagogin, verheiratet, Mutter einer Tochter und Großmutter von 2 Enkeltöchtern

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Elisabeth Stiftung

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