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Was die Pandemie mit uns macht

Interessante Beobachtungen aus der Familienberatungspraxis während der Corona Krise

von Michaela Harrer, Dipl. Familienberaterin

Die Pandemie wird in unterschiedlichen Lebensaltern komplett anders erlebt und löst ebensolche vielfältigen unterschiedlichen Reaktionsweisen und Bewältigungsmuster aus. Es ist nicht egal, in welcher Phase der Biographie, in welchem Alter, ob Mann oder Frau, ob Kind oder Jugendlicher, ob Erwerbstätiger oder Arbeitssuchender oder Pensionist, …. uns diese Covid-Krise erwischt hat. Auffallend ist es, dass durch die starke Reduzierung des Lebensradius altersabhängig komplett gegenläufige Coping (Anpassungs-) Strategien gelebt werden.

Im Jugendalter (etwa bis 30 J.) werden die Ein- und Beschränkungen als besonders belastend und ermüdend wahrgenommen. Da will man Freunde treffen, feiern, Spaß am Leben haben….total verständlich! Geht es ja in dieser Altersspanne um das „volle Leben“ mit Action und Sport, Spaß und Grenzerfahrungen, Ausprobieren und Erleben…Dazu kommt, dass diese Generation in einer Atmosphäre „was kostet die Welt?“ aufgewachsen ist. Einschränkungen oder Beschränkungen waren gesellschaftlich nicht vorgesehen…“alles geht und das immer!“ Um so heftiger wird Beschränkung erlebt. Frustration und Resignation sowie Zukunftsängste und Verunsicherung mangels Planbarkeit plagen die Menschen. Nach Lösungen wird gesucht und (in der Beratung) oft verborgenes Kreativitätspotential entdeckt:

Hilfreich sind jetzt ganz besonders die digitalen Medien zur Kompensation der gefühlten sozialen Einschränkung sowie SCHULE UND KINDERGARTEN ! Plötzlich wird der soziale, strukturierende Wert von Bildungseinrichtungen für Kinder und Eltern deutlich. „Ich will wieder in die Schule gehen!“ …ist plötzlich ein inniger Wunsch! Wer hätte sich das vor einem Jahr noch gedacht??

Eine neue Kultur der Häuslichkeit  – „modernes Biedermeier“ – vermittelt Basissicherheiten. Wie kann ich mein zu Hause gestalten? Welche Fähigkeiten möchte ich vertiefen oder erlernen, die mir in dieser Situation Lebensqualitätsverbesserung bringen können? (Musikinstrumente spielen – Hausmusik?!, Lesen und selbst schreiben, Heimwerken und Handarbeiten, gesunde Ernährung und Bewegung zu Hause…). Selbststruktur und Organisation der Arbeit im Homeschooling und Homeoffice sind wesentlich, um eine Balance zwischen Anspannung in Arbeitszeiten und Entspannung in Privatheit zu finden!

Menschen um und ab der Lebensmitte reagieren vermehrt erstaunlich resilient in der aktiven Bewältigung dieser Krise. Zwar gibt es auch dort Ängste und Unsicherheiten, jedoch können sich die Menschen dieser Altersgruppe auf Grund von bereits erfahrenen und überstandenen Krisen in ihrem Leben besser auf Einschränkungen und Begrenzungen einstellen. Oftmals hat auch schon davor ein freiwillig gewählter Rückzug von „jugendlichen Partys und Events“ stattgefunden.

Aber auch in dieser Altersgruppe gibt es Herausforderungen zu meistern:

Isolation und Unplanbarkeit, Sorge um die eigene Gesundheit und die der Familienangehörigen überschatten den Alltag. Die Angst um den Arbeitsplatz (besonders der Menschen 50+) beschäftigt viele. Als hilfreich und entlastend erleben diese Menschen den gezielten Blick auf ihre sozialen und emotionalen Ressourcen, die sie sich im Laufe ihres Lebens bereits angesammelt haben.

Was hat mir immer früher geholfen? Auf welche Fähigkeiten in mir kann ich mich verlassen?

Der Blick auf den Ist-Zustand ist von den Vorstellungen in Angst und Sorge auf ein nicht reales Zukunftszenarium zu trennen  – das wird sehr oft als enorm hilfreich erlebt!!! Informationsflut wirkt auch überfordernd und verengt die Perspektiven! Gezielte, dosierte Information ist durchaus wichtig – aber zu viel ist zu viel!

Menschen jenseits der Erwerbstätigkeit, deren Lebensumkreis natürlicherweise schon geringer wurde, haben wieder andere Herausforderungen zu bewältigen. Das Thema hier ist oft Vereinsamung und das Gefühl der Ohnmacht, des Ausgeliefertseins. Der Grad zwischen Vorsicht und Angst ist ein besonders schmaler! Speziell wenn es im Alltag keine unbedingt notwendigen Sozialkontakte (wie dies im Berufsalltag in irgendeiner Form ja stattfindet) mehr gibt, ist der aufsuchende soziale Kontakt immens wichtig.

Auffallend ist, dass die innerfamiliären Beziehungen ein essentielles Netz der Geborgenheit bieten können – allerdings nur dann, wenn sie davor geknüpft und gepflegt wurden. Schwierigkeiten und Konflikte treten selbstverständlich dadurch auch deutlicher zu Tage. Das Ablenken und Ausblenden fällt schwerer, wenn so viele Aktivitäten (Reisen, Hobbys, Sport, Vereine ect.) nicht möglich sind. Eine große Hilfe stellt das Telefon dar, als die Nabelschnur zur Welt. Ebenso neue Technologien finden großes Interesse und können begeistern.

Besuchsdienste und Freundeskreise, Nachbarn und natürlich (wie schon erwähnt) das Anteilnehmen an dem Leben der jüngeren Generation geben das Gefühl des Eingebundenseins und geben Lebensfreude. Normalität im Alltags ist wichtig für den älteren Menschen, der  noch so viel Wichtiges an die Gesellschaft zu geben hat – gerade in diesen herausfordernden Zeiten.

Wie gehen Sie mit der Situation um?

Schreiben Sie uns oder vereinbaren Sie gleich einen Termin mit unserer Familienberaterin!

Wir freuen uns auf Sie!

 

 

Elisabeth Stiftung

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