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Willi Wichtel: eine Weihnachtsgeschichte

MO, 22.12.2025

Manchmal beginnt es mit einer kleinen Frage

 

Willi. Wichtel Willi.

Er steht auf einem Brett mit unregelmäßiger Maserung, die das Leben des Baumes in das Holz gezeichnet hat.

Ein wenig verloren wirkt er, die gestrickte Haube bis über die Augen gezogen, und nur seine Knollennase schaut hervor. Fast möchte man ihn anstupsen und fragen: „Geht’s dir gut? Bist du gut aufgehoben?“

Wichtel Willi erinnert uns an ein tiefes Bedürfnis aller Menschen: Nähe. Leben braucht Nähe zu anderen, damit es wachsen und gesund bleiben kann.

Die zarten Anfänge im Leben eines Kindes ebenso wie der Entfaltungsdrang der Jugend, die Herausforderungen des Erwachsenseins oder die Erfahrungen des Alterns. Leben in seiner ganzen Spanne braucht menschliche Nähe und immer wieder auch Unterstützung und Beistand.

Nicht immer ist es auf den ersten Blick sichtbar. Aber erfragbar: „Geht’s dir gut? Bist du gut aufgehoben?“ Im Angesprochen-Werden können die leisen Töne des Daseins hörbar, Sorgen, Gefühle, Einsamkeit, materielle und seelische Not formuliert werden.

An Weihnachten ist Gott selbst Mensch geworden. Nicht mächtig, sondern klein und verletzlich, an einem Ort, der armseliger kaum sein könnte, so erzählt es uns die biblische Überlieferung. Angewiesen auf die Fürsorge von Menschen.

Vielleicht erinnert uns Wichtel Willi auf seinem Holzbrett gerade daran: Niemand soll allein bleiben müssen dort, wo er Nähe und Beistand bräuchte.

Holz trägt Spuren, Maserungen und Aststellen. Linien, die nicht gerade verlaufen. So wie auch in unser Leben sich Spuren einschreiben – vom ersten Tag an.

Wenn dann da aber jemand ist, der wahrnimmt und sieht, wie es dem Menschen neben ihm geht, dann entsteht ein Raum, in dem Leben Halt finden, weiterwachsen und sich entfalten kann. Und oft beginnt es mit einer kleinen Frage: „Geht es dir gut? Bist du gut aufgehoben?“.

Wo wir uns einander so zuwenden, da wird es Weihnacht.

 

Fotos und Text: Christine A.

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